Eine Weihnachtliche Bahnreise nach Budapest

Eine Weihnachtliche Bahnreise nach Budapest

Da sich dieses Jahr nach Weihnachten ein 4-tägiges Wochenende ergeben hat wäre es schade gewesen diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen. Da ich aber auch nicht Lust hatte mir mehr freizunehmen und mit kleinem Budget unterwegs sein wollte, habe ich mich für ein naheliegendes Ziel entschieden: Budapest. Denn in und um Budapest gibt es viele Bahnen zu sehen.

Auf direktem Wege wäre Budapest von Linz aus in 4h und ohne Umsteigen erreichbar, aber der direkte Weg wäre ja fad. Dieses Jahr ist die elektrische Verbindung Wien Hbf - Bratislava, nach mehrjähriger Verzögerung auf slowakischer Seite, endlich in Betrieb gegangen. Und so hab ich diese Reise genutzt um diese neue Verbindung auszuprobieren. Durch die Fahrzeitreduktion von 1h10, sowie angepasste Fahrpläne in der Slowakei ist nun auch endlich die Verbindung weiter Richtung Košice gut möglich. Musste man vorher noch fast eine Stunde warten, so hat sich diese Wartezeit auf einen angenehmen Puffer von 22 Minuten reduziert.

Reiseroute von Wien nach Budapest. © Stadia Maps © OpenMapTiles © OpenStreetMap © DTM Europe by Sonny ©Viewfinder Panoramas by Jonathan de Ferranti ©Geodetický a kartografický ústav Bratislava

Natürlich habe ich auch wieder mein Fahrrad mitgenommen. Nachdem mir mein Klapprad in Finnland gestohlen wurde habe ich mir nun ein Lastenrad von Tern zugelegt. Das alte Klapprad war für das schwere Gepäck, das ich oft auf Reisen mitnehme, einfach zu schwach konstruiert. Mit 180kg Zuladung kann das neue Fahrrad problemlos auch das Gepäck und Fotoausrüstung für längere Reisen transportieren. Einziger Nachteil ist, dass es nun kein Klapprad mehr ist und ich deshalb ein Fahrradticket brauche, beziehungsweise die Mitnahme in manchen Zügen nicht möglich ist.

In Bratislava habe ich dann einen Zwischenstopp eingeplant. Ein bisschen Bahnfotografie in der slowakischen Hauptstadt.

Ebenfalls spannend ist der Stadtverkehr. Zum Einsatz kommen Doppelgelenk-Obusse und Straßenbahnen. Der Zustand des Betons rund um die Gleise ist teils abenteuerlich.


Aber für mich geht es wieder zurück zum Hauptbahnhof. Von dort nehme ich einen der ECs, die noch nicht auf Railjets umgestellt wurden. Natürlich im Speisewagen.

In Tschechien und der Slowakei haben viele klassische Züge einen Mehrzweckwagen. In diesem befindet sich ein Rollstuhlplatz mitsamt WC, ein Kinderabteil und auch viele Fahrradstellplätze. Damit ist der Transport des Fahrrads kein Problem.

Was sehr wohl ein Problem war war der kauf eines Tickets. Die ÖBB kann einem in diesen Regionen ohnehin nicht weiterhelfen. Die slowakische Bahn kann Fahrradtickets offenbar nur am Schalter ausstellen. Die ungarische Bahn konnte dafür die Buchung für mich nicht durchführen. Und somit hatte ich am Ende ein Ticket der ZSSK für mich, ein Ticket der MÁV für mein Fahrrad und just for fun hab ich mir bei der ČD noch eine Reservierung gekauft, weil das wiederum bei den andern beiden nicht ging.

Auf Social Media hat mir auch jemand vorgeschlagen doch einfach über die DB zu buchen, weil "die kann das ja". Das Problem ist, der Angebotspreis der mir gezeigt wurde war 53,30€ nur für eine Person. Leider konnte ich Strecke und Angebot nicht nochmal nachstellen, da mir die DB Webseite für Bratislava - Budapest sagt "Keine Preisinformation verfügbar".

Bezahlt habe ich jedenfalls:

  • Ticket ZSSK - 15,50€
  • Fahrradticket MAV - 5,40€
  • Reservierung CD - 3€

Also gesamt 23,90€ für die Strecke Bratislava - Budapest mit Fahrrad. Ich glaube günstiger gehts kaum.

Nach 2 Stunden Fahrt sind wir dann in Budapest-Nyugati angekommen. Für mich das erste mal an diesem Bahnhof. Aber es ist sofort als wäre man in einem Wes Anderson Film.

Mit dem Fahrrad bin ich dann noch zum Hotel geradelt. Das war ob der 4-spurigen Straßen manchmal etwas herausfordernd, aber wenn man Linz gewohnt ist, schafft man Budapest auch.

BHÉV - Budapesti Helyiérdekű Vasút

Eine Besonderheit des Budapester Stadtverkehrs ist das sogenannte BHÉV System. Das sind ehemalige Lokalbahnen im Umland Budapests, die nun mehrere, nicht zusammenhängende Vorortelinien bilden.

Nachdem ich wegen anfänglichen Schwierigkeiten beim Ticketkauf den Zug der Linie H6 verpasst habe, habe ich kurzerhand die Linie H7 nach Csepel genommen, die alle 10 Minuten fährt.

Mit dem Fahrrad bin ich von Csepel zur Station Dunaharaszti felső gefahren wo ich dann den näcshten Zug der Linie H6 nach Rackeve erwischt habe. Die fahren nämlich nur alle 60 Minuten. Die Qualität der Radwege und Straßen ist sehr unterschiedlich. In diesem Fall hat mich der vom Bosch Navi vorgeschlagene Weg über ein paar Seitenstraßen geschickt.

Nur wenige Kilometer außerhalb von Budapest hat man nichts anderes mehr als mit Schlaglöchern übersähte Erdstraßen. Man muss sich nochmal vor Augen halten. Man ist hier ungefähr zweieinhalb Zugstunden von Wien entfernt. Das ist ungefähr gleich weit wie Wien - Salzburg.

Karte der BHEV Linien die ich abgefahren habe. © Stadia Maps © OpenMapTiles © OpenStreetMap © DTM Europe by Sonny ©Viewfinder Panoramas by Jonathan de Ferranti

Für mich ging es weiter nach Ráckeve, der Endstation der Linie H6.

Von Ráckeve ging es auch direkt wieder zurück nach Budapest. Die Züge fahren nur einmal in der Stunde und das Licht ist im Winter schnell weg.

Zurück am Ausgangspunkt in Közvágóhíd stellte ich fest, dass zwar die Sonne bald untergehen würde, es aber noch nichtmal 14 Uhr war.

Also ging es für mich weiter auf die nächste BHÉV Strecke, diesmal nach Szentendre. Der Ausgangspunkt dieser Strecke war einmal quer durch die Stadt am Batthyány tér, wo die HÉV Linie unterirdisch liegt. Da es schon dunkel und kalt war bin ich einfach mal die Strecke abgefahren, aber habe nicht viel fotografiert.

Zur Fahrradmitnahme im BHÉV Netz sei gesagt es ist relativ unkompliziert. Im mittleren Wagen gibt es immer einen Bereich der für Kinderwagen und Fahrräder vorgesehen ist. Man muss das Fahrrad allerdings relativ hoch über Stufen raufheben und es gibt keine Fahrradständer oder ähnliches.

Zur Ticketsituation kann ich nicht viel sagen. Ich habe mir den Pest County Pass für ca. 24€ geholt. Eine Monatskarte, wie ich im Nachhinein erfahren habe. Ich glaube damit hätte ich mein Fahrrad auch so mitnehmen können. Ich hab mir aber trotzdem noch einen 10er Block Einzeltickets gekauft.

Restaurants

Zum Reisen gehört natürlich auch das Essen. Ungarn ist jetzt nicht unbedingt für seine Küche bekannt, wenn man vom Gulasch mal absieht. In Budapest fand ich es relativ schwer sinnvoll etwas zu essen zu finden. Vor allem auch weil ich teils an den Feiertagen unterwegs war, wo viele Lokale geschlossen hatten und die die offen waren teils heillos überrannt waren.

Man merkt durchaus den österreichischen Einfluss. Kaiserschmarrn und Palatschinken sind keine Seltenheit.

In Ungarn ist es üblich eine "Service Charge" zu verrechnen. So ähnlich wie das Coperto in Italien. Aus diesem Grund ist auch Trinkgeld eher optional. Aus Unwissenheit habe ich dann trotzdem manchmal Trinkgeld gegeben, aber ich denke bei den Preisen in Budapest ist es durchaus auch in Ordnung das Trinkgeld nur für besonders guten Service vorzubehalten. Die Preise können durchaus mit dem durchschnittlichen Restaurant in Österreich mithalten.

Kartenzahlung wird übrigens flächendeckend akzeptiert. Ich habe nicht einmal Bargeld gebraucht und konnte mir so sparen Forint wechseln zu müssen.

Die Stadt Budapest

Die Stadt Budapest finde ich im allgemeinen sehr fotogen. Viele Brücken, historische Gebäude und ein pulsierendes Stadtleben bieten eine vielzahl an Möglichkeiten sich fotografisch auszutoben.

Auch bei Nacht bietet Budapest viel zu sehen.

Die Radinfrastruktur in Budapest

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Radwege in Budapest. Wer sich in irgendeiner Form ein sicheres Radnetz erwartet wird hier sehr enttäuscht. Oftmals gibt es nicht mehr als Mehrzweckstreifen auf mehrspurigen Fahrbahnen. Nachrangige Ampelschaltungen, gefährliche Kreuzungen.

Nicht umsonst gab es in Budapest immer wieder Demonstrationen von Radfahrer:innen gegen die gefährlichen Bedingungen. Dennoch gibt es in einigen Teilen ganz passable Radinfrastruktur und in teilen der Altstadt sogar Infrastruktur von der sich auch Linz noch etwas abschauen könnte.

Schwabenbergbahn - Fogaskerekű Vasút

Im nordwesten Budapests führt eine Zahnradbahn auf einen der Hügel, die die Stadt umgeben. Die Bahn ist Teil des städtischen Nahverkehrsnetz.

3D Ansicht der Zahnradbahnstreke © Stadia Maps © OpenMapTiles © OpenStreetMap © DTM Europe by Sonny ©Viewfinder Panoramas by Jonathan de Ferranti

Zum Einsatz kommen Fahrzeuge von SGP aus den 1970er Jahren.

Es blieb nicht besonders viel Zeit für Fotos, da der Tag schon wieder weit vorangeschritten war, ich gemeinsam mit einem Bekannten unterwegs war und wir den nächsten Zug der Kindereisenbahn nehmen wollten, die nur einmal in der Stunde fährt.

Die Kindereisenbahn Budapest - Gyermekvasút

In den ehemaligen sozialistischen Ländern des Ostblock waren sogenannte Kindereisenbahnen (oder Pioniereisenbahnen, nach der Jugendorganisation der Parteien) weit verbreitet.

Dort konnten Kinder alle Aspekte des Eisenbahnbetriebs erlernen und, unter Aufsicht, selbst durchführen. Vom Fahrdienstleiter über Schaffner und am Ticketschalter. Die ganze Berufspalette war dabei. Dies sieht man auch an der Budapester Kindereisenbahn, wo es sowohl mechanische als auch Drucktastenstellwerke gibt um das gesamte Spektrum der "großen" Eisenbahn abzubilden.

Gestartet haben wir unsere Reise in Széchenyihegy. Der Bahnhof ist Fußläufig in circa 5 Minuten von der Zahnradbahn erreichbar. Hier gibt es noch ein mechanisches Stellwerk und Formsignale.

Ungefähr auf halber Strecke ist uns dann bei Jánoshegy der Dampfzug entgegengekommen, welcher auch eine besondere Geräuschkulisse erzeugt hat.

Bei Szépjuhászné ist uns dann ein weitere Diesel bespannter Zug entgegengekommen. Auch hier haben die Motoren der rumänischen Lokomotive für eine spektakuläre Geräuschkulisse gesorgt.

Auch im weiteren Fahrtverlauf habe ich noch mehrere Videos aufgenommen.

Von der Strecke der Kindereisenbahn aus hat man dann auch kurz einen grandiosen Blick auf die Stadt.

Nach ungefähr 40 Minuten Fahrt erreicht man dann das andere Ende der Strecke im Bahnhof Hűvösvölgy. Im Gegensatz zu Széchenyihegy gibt es hier ein Drucktastenstellwerk.

Auch hier habe ich das Umsetzen ans andere Ende des Zuges fotografiert und gefilmt.

Mit der Straßenbahn kommt man von hier aus wieder direkt zum Ausgangspunkt der Zahnradbahn.

Die Straßenbahn in Budapest

Und damit kommen wir auch gleich zum nächsten Thema. Dem Straßenbahnnetz in Budapest. Ein sehr ausgedehntes Netz und mit einigen baulich interessanten Abschnitten. Auch viele der markanten Budapester Brücken werden von der Straßenbahn überquert.

Gelbe Straßenbahnen gehören einfach zum Stadtbild von Budapest dazu. So sehr, dass sie sogar auf Souveniers abgedruckt werden, wenn auch mit kleinem Schönheitsfehler.

Im folgenden möchte ich einfach ein paar Impressionen aus dem Straßenbahnnetz zeigen. Es ist schwierig aus all den Aufnahmen die besten herauszupicken, aber ich denke man bekommt sehr gut einen Eindruck der Stadt.

Auch später am Abend bilden die Straßenbahnen einen wichtigen Teil des öffentlichen Verkehrsnetz in Budapest.

Die Fotos wurden übrigens alle ohne Stativ angefertigt. Moderne Kameras besitzen schon hervorragende Stabilisatoren und ein Stativ ist nur schwer und unhandlich. Wenn es wirklich mal sein musste, dann habe ich mein Fahrrad etwas zweckentfremdet.

Der Besondere Hingucker in Budapest sind die Weihnachtlich geschmückten Trams. Diese sind in verschiedener Ausführung auf unterschiedlichen Linien unterwegs. Finden kann man sie auch über Google Maps. Dort haben die geschmückten Trams jeweils die Linienbezeichnung mit Schneeflocke z.b. 2❆ .

Eine Rückreise mit Umwegen

Auch für die Rückreise habe ich mich dazu entschieden nicht den direkten Weg zu nehmen. Das hauptsächlich deshalb, weil ich derzeit versuche alle Bahnstrecken österreichs einmal abzufahren und da natürlich auch die Neusiedler Seebahn dazugehört.

Ausgangspunkt für die Rückreise ist natürlich der imposante Bahnhof Keleti. Einer der schönsten Bahnhöfe und Dreh- und Angelpunkt für viele Reisen im Südosten Europas.

Hier nochmal die Reisekarte zur Erinnerung:

Gefahren bin ich über Szombathely und Sopron. Weil unser Zug nach Szombathely schon 10 Minuten Verspätung hatte und ich meinen Anschluss nach Sopron erwischen musste habe ich von dort leider keine guten Fotos.

Der Anschluss hat aber abgewartet und zwar sogar relativ lange. So ist es sich am Ende gut ausgegangen. Barrierefreiheit an ungarischen Bahnhöfen ist leider eher so ein Ding der Theorie. Auf den Stiegen gibt es eine Metallplatte auf der man Fahrräder schieben kann. Ich war allerdings sehr froh um die Motorunterstützung, da ja mein Fahrrad schon relativ schwer ist und auch das ganze Gepäck draufhatte. In Sopron hatte ich dann das Problem, dass die Rampe glatte Steinplatten waren und abwärts die ganze Partie einfach nur gerutscht ist.

Auf der Fahrt von Szombathely nach Sopron gab es jedenfalls wunderbare Fernsicht und in diesem Teil Ungarns ist man dann Fest im Gebiet der GYSEV Győr-Sopron-Ebenfurti Vasút oder auf Deutsch Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn. Eine Bahngesellschaft, bei der ich jedenfalls empfehlen kann sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen, denn die Wurzeln dieser Ungarisch-Österreichischen Bahn gehen zurück bis ins Kaiserreich.

Für mehr als einen kurzen Besuch der Innenstadt war leider keine Zeit und den brauchte ich um einen kleinen Happen zum Essen zu kaufen. Immerhin war ich zu diesem Zeitpunkt schon wieder 4h unterwegs. Sopron ist jedenfalls definitiv wieder mal einen Ausflug wert.

Weiter ging es dann nach Fertőszentmiklós, wo ich gerade mal 3 Minuten für den Umstieg hatte. Es war wieder mal alles sehr knapp, denn es fährt nur jeder zweite Zug der ÖBB nach Ungarn. Die restlichen Züge enden in Pamhagen. Gut für mich: Von hier aus konnte ich ohne Umsteigen bis Wien Hbf fahren. Auch wenn das fast 2h dauert.

Die 2h haben sich aber jedenfalls ausgezahlt. Der Sonnenuntergang im Burgenland ist einmalig und ich plane jedenfalls wiederzukommen um noch ein paar Zugfotos ohne Fensterglas zu machen.

Die gesamte Rückreiseroute auf der topografischen Karte zeigt, wie flach dieser Teil Europas ist. Und das direkt eingeklemmt zwischen Alpen und Karpathen.

Im Abendlicht nähert sich der Zugteil aus Deutschkreuz um in Neusiedl am See mit meinem Zug vereinigt zu werden.

Angekommen in Wien ging es dann mit dem Intercity wieder nach Hause.

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